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29.07.2026 - Moderne Tagungs(t)räume

Produktive Atmosphären zum Austauschen und Weiterdenken

Erstes Bild von Produktive Atmosphären zum Austauschen und Weiterdenken
Foto: Landhotel Rössle, Fotos: Ydo Sol
Die Innenarchitektur von Tagungsräumen ist im Wandel. Immer wieder erreichen uns Anfragen nach konkreten Tipps und Best Practice für erprobtes Tagungsmobiliar, funktionierende Technik und originelle Raumgestaltung. Was TOP 250 Hoteliers sich einfallen lassen, um nutzungsorientiertes Inventar mit ansprechendem Design zu verbinden, zeigt unsere Serie über besondere, in jüngerer Zeit entstandene Tagungsräume.
In der modernen Arbeitswelt sind sogenannte „Coworking Spaces“ mittlerweile stark verbreitet – Tendenz weiter steigend. Typischerweise handelt es sich dabei um eine Kombination aus Arbeitsräumen, Community-Zonen und Rückzugsbereichen. Auch die gehobene Tagungshotellerie hat mancherorts erfolgreich damit begonnen, entsprechende Raumideen aufzugreifen und eigenständig umzusetzen.

Imposantes Design von der Urban Lobby bis zum Kaminzimmer

Im Landhotel Rössle ist man an das Thema in besonders großzügigen Dimensionen, aber auch mit konzeptioneller Innovation und einem hohen gestalterischen Anspruch herangegangen. Als Ergebnis entstand das im vergangenen Jahr eröffnete „Rössle-CoWorkingCenter“. Es ermöglicht Teams, über mehrere Tage hinweg gemeinschaftlich und in Privatsphäre wohnen, kochen, netzwerken und an „Deep-Work“-Projekten arbeiten zu können.

Beheimatet ist das Hotel am Dorfrand im Hohenloher Land zwischen Würzburg und Stuttgart, geführt wird es in dritter Generation von Familie Sperr, die mittlerweile schon auf fast drei Jahrzehnte Erfahrung in der Durchführung von Tagungen zurückblickt. Vor Ort besteht Auswahl zwischen verschiedenen Seminar- und Konferenzbereichen in separaten Gebäuden, etwa dem „Rössle Campus“, dessen räumliche Grundrisse sich als Ellipse, Kreis und Quadrat präsentieren. Beim Interior Design fällt eine warme und wertbeständige, mit traditionellem Handwerk verbundene Optik und Haptik auf. „So hat es sich schrittweise bei uns entwickelt“, erzählt Edeltraud Sperr, „heute finden Sie bei uns im Haus kein Furnier mehr. Wir möchten Raumbehaglichkeit mittels Naturmaterialien bieten, wie zum Beispiel Echtholz, Leder, Natursteine und lehmverputzte Wände. Von unseren Tagungskunden bekommen wir immer wieder das Feedback, dass unsere Räume eine gemütlich warme, einladende Ausstrahlung haben.“

Deshalb lag es nahe, den letzten noch im 90er-Jahre-Look verbliebenen Tagungsbereich namens „Obstgarten“ ebenfalls an die neuere stilistische Entwicklung des Hotels anzupassen. Dort war noch ein eher poppig-kaltes Erscheinungsbild mit Granitboden und Stahlelementen vorherrschend. „Es war an der Zeit, auch in diesen Bereich mehr Wärme und Gemütlichkeit reinzubringen“, so Edeltraud Sperr. „Bevor wir damit loslegten, haben wir mit unseren Kunden gesprochen und sie gefragt, was sie an Räumlichkeiten brauchen könnten. Dabei kam heraus, dass viele sich ein Ambiente für Begegnungsformate wünschen, in denen die Kommunikation sich anders entwickeln kann als im reinen Seminarformat.“

Von Anfang an gingen die Inhaber an den projektierten Umbau mit der Vorstellung heran, einen außergewöhnlichen Eindruck zu erzielen: „Uns war klar, wie wichtig es ist, dass die neugestalteten Räume eine hohe Qualität ausstrahlen“, betont Lutz Sperr, der gemeinsam mit seiner Frau Edeltraud das Hotel leitet. „Wenn Firmenkunden sich bewusst entschließen, aus dem Unternehmen rauszugehen, um unter sich zu sein, dann wollen sie es rundum schön haben.“ Anvertraut mit dieser Leitidee machte sich das renommierte österreichische Architekturbüro „W2 Manufaktur“ daran, aus einer Hand ein zusammengehöriges und funktional ausgewogenes Raumensemble über drei Etagen zu planen und zu designen. Hauptbestandteil sind rund 600 m² Veranstaltungsfläche mit produktiver Atmosphäre – neben Arbeitsräumen gehören Event- und Begegnungszonen einschließlich eines großen Kaminzimmers dazu. Die Privatheit des Konzepts wird durch 15 zugehörige Gästezimmer unterstrichen, die für „Wohnen und Tagen unter einem Dach“ stehen.

Das Gros der rein zum Arbeiten bestimmten Räume befindet sich Im Erdgeschoss. Sie sind nach Früchten benannt und erinnern somit noch an vergangene Zeiten. Entsprechend dem Credo, Wohlbefinden zu erzeugen, nimmt die Einrichtung Abstand von einem nüchternen Seminarstil, ohne allerdings eine konzentrationserhaltende visuelle Ordnung einzubüßen. In der trennbaren Raumkombination „Apfel/Birne“ (je 100 m²) erscheinen Decke, Wände und Teppichboden hell, während die Stirnwände über einer Schaumstoffunterlage mit schwarzem Stoff bezogen sind, wodurch der Blick auf eine große LED-Wall (Raum Apfel) bzw. ein interaktives Display (Raum Birne) gelenkt wird. Gestaltungselemente wie die maßgezimmerten Türen aus Nussbaum sowie die mit floralem Muster tapezierten Trennwände und schwarze, bodentiefe Sprossenfenster tragen dazu bei, den Raum gefühlsmäßig zu „erden“. Direkt angeschlossen ist ein Innenhof für Pausen und Gruppenarbeiten.

Die erwähnte LED-Wall (162 Zoll) stellt ein besonderes Highlight dar: Selbst bei vollem Tageslicht beeindruckt sie mit hoher Lichtleistung und bildlicher Prägnanz, wobei auch Remote-Zuschaltungen möglich sind – Kameras, Lautsprecher, Mikrofone und ein kabelloses Präsentationssystem ergänzen das Equipment, die Bedienung erfolgt per mobilem Tablet.

Zwei weitere Workshop- bzw. Breakout-Räume bieten ein Ambiente mit Eichendielen, Bildschirmen und Terrassenzugängen: Der Raum „Erdbeere“ (80 m²) befindet sich im Untergeschoss, während der Raum „Himbeere“ im Erdgeschoss etwas kleiner ist und ein Roundtable-Arrangement für 10 Personen bietet. Letzterer gehört bereits zum Bereich der „Urban Lobby“, die nahtlos an die „Apfel/ Birne“-Seminarzone anschließt. Sie ist der zentrale Community-Hub des CoWorkingCenters, in dem die klassische Trennung von Seminar und Entspannung aufgebrochen wird. Es handelt sich um einen Begegnungsort im kommunikativen Loft- und Urban-Style mit fließend ineinander übergehenden Steh- und Sitzgelegenheiten. Er dient nicht nur Kaffeepausen und Gruppenarbeiten, sondern fungiert auch als Speise- und Eventlocation für erweiterte Teilnehmerkreise – bis zu 80 Personen können hier Platz finden, sei es für Teampartys, Kickoffs, Mitarbeiterehrungen oder andere Anlässe.

Der gesamte Innenausbau (Eichendielen, Paneele, Bar-Theke, Stehtische etc.) der „Urban Lobby“ wurde handwerklich maßgeschreinert. Neben der natürlichen Holzanmutung fallen exklusive Designelemente ins Auge, mundgeblasene Muranoglas-Leuchten etwa und funkelnde Kettenvorhänge, die mit dem Licht spielen. Mittig befindet sich der große Herdblock einer Showküche mit vielerlei Profi-Gerätschaften. Sie sind nicht nur für die Hotelköche bestimmt, sondern auch für Veranstaltungsteilnehmer, die sich im Teamkochen üben möchten. Gemeinsam gespeist wird an einem wuchtigen, aus einem einzigen Eichenstamm gefertigten „Longtable“ – bis zu 20 Personen können an diesem 1,20 Meter hohen und 8 Meter langen Unikat auf eleganten, schwarzen Hockern Platz nehmen. Die imposante Pendelleuchte darüber wurde 2025 mit dem renommierten IF Design Award für das besondere Zusammenspiel von Licht und Form ausgezeichnet.
Über eine Treppe mit kunstvoll geschmiedetem Geländer geht es im Nu in die angeschlossenen Gästezimmer, die ihrerseits den Charakter der Lobby aufgreifen. Auch auf dem Weg dorthin beeindrucken kreative Hingucker wie Lampen aus gewelltem Glas, die ein menschliches Auge imitieren und strahlenförmige Muster aus Licht und Schatten erzeugen.

Schließlich findet sich ein weiteres Raumangebot, welches insbesondere dem Format der „Kamingespräche“ dienlich ist, einer Form des Austausches, die sich vor allem durch Exklusivität, diskrete Atmosphäre und Ungezwungenheit auszeichnet. „Dafür wollten wir ein passendes Ambiente schaffen“, erläutert Edeltraud Sperr, „einen ansprechenden Rahmen für Themen, die nicht für jedermanns Ohren bestimmt sind, wo zum Beispiel die Geschäfsführung mit dazukommt und man mit maximal 20 Teilnehmern in Privatsphäre frei diskutieren und Ideen aufspüren kann.“ Das fertige „Kaminzimmer“ (100 m²) liegt im Untergeschoss, wobei auch hier eine Terrasse nach draußen angeschlossen ist, es weist individuelle Design-Ideen auf und besitzt Anklänge an die stilvoll gehobene Eleganz eines englischen Clubs. Gedeckte Wandfarben, eine warme Nussbaum-Vertäfelung und Eichenparkett im Fischgrätmuster schaffen eine beruhigende Sensorik. Andererseits gibt es viele Elemente, die eine zeitgemäße Leichtigkeit einbringen: Da wären etwa die kokonartigen Sessel der italienischen Luxusmanufaktur Minotti, die mit Rädern ausgerüstet und rundum drehbar sind. Ein echter Blickfang ist der hängende Kamin, der ein 360°-Feuererlebnis bietet – mit seiner tropfenförmigen Metallhaube wirkt er wie ein schwebendes Kunstwerk. Oben wiederum zieht ein dreidimensionales Deckensegel mit Vogelmuster die Blicke auf sich. Komplettiert wird das Szenario durch einen handgewebten Schafwollteppich, ein Weinregal/Barschrank, Stehtische und Deko-Holzscheite. Medientechnisch geht es nicht weniger anspruchsvoll zu: Ein B&O 77-Zoll-Bildschirm mit 4K Auflösung sowie eine Soundbar stehen zur Verfügung, außerdem Kameras, Mikrofone und Steuerungstechnik für virtuelle Zuschaltungen.

Im Ganzen waren der Umbau und die Neuausstattung der Räumlichkeiten mit beträchtlichen Investitionskosten verbunden. Für Lutz Sperr lohnt sich dieser Einsatz in jeder Hinsicht: „In den Räumen ist viel Energie für Begegnungen. Das ist nicht nur ein Facelifting geworden, das ist Champions League!“, hält er stolz und überzeugt fest. „Das Feedback unserer Kunden bestätigt dies. Für sie ist es ebenfalls ein wichtiges Investment, sich in einer so besonderen Atmosphäre treffen zu können.“


Inventar-Steckbrief, Landhotel Rössle:
Gesamtkonzeption und Einrichtung: W2-Manufaktur / Leogang; Innenarchitektin Daniela Haller
Innenausbau, Longtable Urban Lobby, Weinregal Kaminzimmer: KRÖLL.WINKEL Tischlerei / Taxenbach
Konferenzstühle und -tische: Wiesner-Hager
LED Wall Raum Apfel: Sharp/NEC, NEC LED-E018i-162 Full HD
Interaktives Display Raum Birne: ViewSonic, IFP110 Ultra HD
Videokonferenzkamera: Yealink, UVC86 4K-Dual-Eye-PTZ
Kabelloses Präsentationssystem: Yealink, RoomCast-011 Wireless Presentation & Collaboration System Bundle
Mediensteuerung: QSC, Core Nano
Decken-Lautsprecher: Tannoy, CMS603DCBM – 6" Dual ConcentricTM
Mobile Trennwände: Dorma-Hüppe
Fenster: ALWICO, Hesterberg
Sessel Kaminzimmer: Minotti, Yves Round „Lounge“
Heimkinosystem Kaminzimmer: Bang & Olufsen, BeoVision Theatre 77”
Kamin: JC Bordelet, ZELIA 908
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