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13.07.2026 - Moderne Tagungs(t)räume

Kunstvolle Aufarbeitung des hochwertigen Bestands

Erstes Bild von Kunstvolle Aufarbeitung des hochwertigen Bestands
Foto: Fuchsbräu Hotel
Die Innenarchitektur von Tagungsräumen ist im Wandel. Immer wieder erreichen uns Anfragen nach konkreten Tipps und Best Practice für erprobtes Tagungsmobiliar, funktionierende Technik und originelle Raumgestaltung. Was TOP 250 Hoteliers sich einfallen lassen, um nutzungsorientiertes Inventar mit ansprechendem Design zu verbinden, zeigt unsere Serie über besondere, in jüngerer Zeit entstandene Tagungsräume.
Wer sich für klassische Tagungsformate in einem beeindruckenden, historisch-natürlichen Ambiente interessiert, findet im bayerischen Beilngries, ungefähr auf halbem Wege zwischen München und Nürnberg, ein Beispiel von neukonzipierten Räumen, die auf ihre Art eine produktive Arbeitsatmosphäre mit hochwertigen Gestaltungsmitteln erzeugen. „Hochwertig“ bedeutet in diesem Fall auch konsequent nachhaltig. Denn das betreffende Hotel Fuchsbräu schlägt beim Umweltmanagement einen ambitionierten Kurs ein: An das in fünfter Generation familiär betriebene Hotel wurde das EMAS-Siegel der EU verliehen, welches vergleichsweise strenge Maßstäbe und komplexe Kriterien stellt – die letzte erfolgreiche Rezertifizierung fand im Mai dieses Jahres statt. „Vor den aufwändigen EMAS-Anforderungen sind wir nicht wirklich zurückgeschreckt, denn Nachhaltigkeit ist bei uns kein Trend, sondern schon seit längerem gelebte Überzeugung. Wir arbeiten seit Jahren ohne Stillstand daran“, hebt Inhaberin Denise Amrhein hervor.

Als im letzten Herbst und Winter eine Reihe von Umbau- und Verschönerungsmaßnahmen anstanden, setzte man von daher sehr bewusst auf nachhaltige Materialien und regionale Handwerksbetriebe. Dazu gehörte, dass bei der Renovierung der beiden größten Seminarräume, die die Namen „Altmühl“ und „Donau“ (je 115 m²) tragen, vorhandenes Mobiliar aufgearbeitet statt ersetzt wurde.

Konkret betrifft dies die ergonomischen und auf Langlebigkeit ausgelegten Stühle und Tische vom Hersteller Neuland, mit denen die aus den 90er Jahren stammenden Räume gleich zu Beginn ausgestattet worden waren. Die Stühle erhielten neue Polsterungen in neuer Farbgebung, die Tische ebenfalls neue Farben und Lasierungen. Sie passen sich damit in ein insgesamt neu erdachtes Ambiente ein, dessen abgestimmtes Farbkonzept mittels Beratung einer örtlichen Künstlerin kreiert wurde. Es verwendet beruhigende, weiche Naturtöne, die im Farbkreis nah beieinander liegen, vor allem Cremetöne in braun und beige. Ein Bestandteil dieser Farbkomposition sind aus Loden hergestellte Pinnwände, die von einer Textilgestalterin eigens angefertigt wurden. Loden ist gefilzte Wolle, die durch heiße Waschungen entsteht. Die Loden-Pinnwände fallen durch ihre etwas dunkleren Braun- und Beigetöne auf und werden raumgestalterisch wirksam, da sie eine Struktur schaffen, die vor Eintönigkeit bewahrt. Insgesamt ergibt sich ein harmonisches und freundlich aufgeräumtes Raumbild, das die mentale Fokussierung zu unterstützen vermag, woran auch die natürliche Helligkeit des von zwei Seiten einfallenden Tageslichts seinen Anteil hat.

Neben dem Thema Nachhaltigkeit spielt noch eine zweite Kernpositionierung für die Identität des Hotels eine wesentliche Rolle: Von den sechs Gebäuden, die das Hotel heute ausmachen, sind drei über fünfhundert Jahre alt. „Wir pflegen von jeher auch das Thema Baudenkmal, indem wir uns die Aufgabe setzen, historisches Flair zu erhalten. Wenn wir in unseren historischen Gebäuden bauen und instandsetzen, dann grundsätzlich nur mit echten Materialien, so wie sie früher verwendet wurden“, erläutert Denise Amrhein. Ursprünglich allerdings wurde ein nebenan gelegenes, 400-jähriges Bürgerhaus noch nicht vom Hotel genutzt. Die dortigen Eigentümer standen selbst vor umfassenden Modernisierungsprojekten und fragten im Zuge dessen an, ob das Hotel Interesse an einer Nutzung ihrer Räume habe. Daraufhin fiel die Entscheidung, das erste Obergeschoss des Nachbarhauses und einen zugehörigen Innenhof zu pachten. „Den Raum in der ersten Etage wollten wir gerne zu einem klassischen Konferenzraum umbauen, mit dem wir kleinkreisige Klausuransprüche noch besser bedienen können“, so die Hotelchefin. „Stilistisch sollte der neue Raum zu unserem Hotel passen. Deshalb war es uns wichtig, den historischen Charakter zu erhalten.“

Um die Originalsubstanz des 53 m² großen Raumes wieder voll zur Geltung zu bringen, machten sich geschulte Restauratoren daran, auf die Wände und Decken traditionelle Putze neu aufzutragen. Die alten Balken wurden freigelegt und in den Ursprungsfarben, wie z.B. Ochsenblutrot, lasiert. Die Bodendielen aus robuster Lärche erhielten einen frischen Schliff, sodass die für dieses Holz typische rotbraune Färbung mit kontrastreicher Maserung wieder deutlich hervortritt.

Die Lärchendielen stehen übrigens für einen regionalen Brauch, bei dem Fußböden häufig aus Nadelhölzern hergestellt werden. Das noch härtere Eichenholz dagegen wird gerne für Tische verwandt, weshalb es bei der Wahl eines passenden Konferenztisches auserkoren wurde. Dieser Konferenztisch stellt ein besonders eindrucksvolles Schmuckstück dar: Erstellt wurde er von einem Schreiner, der auf maßgefertigten Tischbau aus heimischen Hölzern und nach ökologischen Prinzipien spezialisiert ist. Bei der handwerklichen Verarbeitung wurde die gewachsene Baumkante an den Längsseiten erhalten, sodass die natürliche Maserung zur Wirkung kommt. Die Maße der Tischplatte betragen 5 Meter Länge, 1,40 Meter Breite und 5 Zentimeter Dicke – bis zu 16 Personen können rundherum Platz nehmen. In der Tischmitte befindet sich eine Steckdosenleiste. Das helle, gelbbraune Eichenholz bildet zudem ein schönes optisches Gegenspiel zum dunkleren Lärchenboden.

Zur eher kraftvollen Erscheinung des Tisches wiederum bilden die gewählten Stühle aus recyceltem Kunststoff einen ausgleichenden Gegensatz: Sie bringen Filigranität und fließende Linien in das Raumbild – farblich sind sie teils in einem erdigen Lehmton, teils in leuchtendem Rot, was einen auflockernden Akzent setzt. Zur weiteren Ausstattung gehören eine Klimaanlage sowie ein 85-Zoll-Touchscreen mit 4K Bildauflösung und Videokonferenztechnik. Der tageslichthelle Raum, der über eine Treppe erreicht wird, erhielt den Namen „Volpini 4“ – damit reiht er sich in eine Gruppe von kleineren Meetingräumen ein, die sich über das Hotel verteilen, wobei „Volpini“ die Bedeutung „Füchschen“ hat, was seinerseits auf den Hotelnamen „Fuchsbräu“ anspielt. Unter dem Strich bietet der neue Raum ein kompaktes, unabgelenktes Reich, das Wohlbefinden mit Funktionalität verbindet und in dem Arbeitstreffen wie auch Besprechungen sehr gut aufgehoben sind.


Inventar-Steckbrief, Hotel Fuchsbräu:
Konferenzstühle, neu bepolstert: Neuland
Konferenztische: Neuland; Aufarbeitung: Schreinerei Lachermeier / Beilngries, Lackiererei Vogt / Beilngries
Pinnwände, Flipcharts, Moderationsmaterial: Neuland
Pinnwände aus echtem Loden: Raum-Textil Andrea Bissinger / Beilngries
Deckenbeamer: Panasonic, PT-VMZ82BEJ (8000 Lumen)
Drahtlose Mikrofon-Anlage: the t.bone, freeU Twin HT 863
Lautsprecher: Teufel
Stühle Raum Volpini 4: Brunner, Stapelstuhl A-Chair
Echtholz-Konferenztisch: Tischmanufaktur Postbauer-Heng
Bildschirm: Legamaster, e-Screen PTX-8500UHD
USB Videobar mit Kamera, Mikrofon, Lautsprecher: Yealink, UVC34
Holzboden: Bauer Fußboden / Beilngries
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