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07.04.2026 - Moderne Tagungs(t)räume

Bewegung erwünscht: Offsites für agile Teams

Erstes Bild von Bewegung erwünscht: Offsites für agile Teams Die Innenarchitektur von Tagungsräumen ist im Wandel. Immer wieder erreichen uns Anfragen nach konkreten Tipps und Best Practice für erprobtes Tagungsmobiliar, funktionierende Technik und originelle Raumgestaltung. Was TOP 250 Hoteliers sich einfallen lassen, um nutzungsorientiertes Inventar mit ansprechendem Design zu verbinden, zeigt unsere Serie über besondere, in jüngerer Zeit entstandene Tagungsräume.

Fluides Tagen im offsite sky
Der englische Lehnbegriff war zuerst im Unternehmensdeutsch populär, bevor er auch anderswo Eingang in den Wortschatz fand. „Als Firmenkunden uns erstmals schrieben, dass sie gerne offsite gehen möchten, haben wir zuerst noch überlegt: Was meinen die?“, erzählt Nicole Kobjoll, Geschäftsführerin im Hotel Schindlerhof nahe Nürnberg, „wir mussten uns selbst erst näher damit befassen“. Da entsprechende Kundenanfragen sich mehrten, erfuhr man, dass viele Firmen zwar eigene gute Tagungsräume haben, es dort aber auch Begleitumstände gibt, die von der nötigen Konzentration ablenken. „Deshalb wollen sie an einen Ort, wo sie überhaupt nicht abgelenkt werden, um ihre eigene Kreativität anders auf die Strecke zu bringen, als im eigenen Haus“, hebt Kobjoll hervor. „Wenn Führungskräfte heute bewusst offsite gehen, dann erwarten sie einen wahren Kraftort, wo Inspiration und Produktivität gleichermaßen gefördert werden. Wir haben deshalb unseren bisher schönsten Tagungsraum im Kreativzentrum komplett neu erfunden.“ Ein besonderes Augenmerk hierbei galt dem Aspekt, ein junges Publikum anzusprechen: „Die Tagungswelt verändert sich, es kommen immer mehr junge digitalaffine Tagungsgäste, die gerne agile Methoden nutzen. Sie verstehen Meetings nicht als starre Veranstaltungen, sondern als bewegliche, situative Begegnungsräume“, so die Hotelchefin des 90-Zimmer-Anwesens.

Auf solcherart Ansprüchen aufbauend wurde für die Tagungsraum-Neugestaltung ein umfassendes Konzept mit der richtungsweisenden Bezeichnung „Fluides Tagen“ entworfen, und zwar in Kooperation mit einem international agierenden Innenarchitekturbüro, das schon früher Neubau- und Designprojekte im Hotel Schindlerhof ausgeführt hatte. Für die Projektplanung habe man sich viel Zeit zum Nachdenken und für einen intensiven Prozess genommen, sagt Nicole Kobjoll. „Die Innenarchitektin hat uns verschiedene Gestaltungsvarianten in Präsentationsform vorgestellt, bevor eine finale Entscheidung getroffen wurde.“ Im Ergebnis entstand eine raumpsychologisch durchdachte Workshop-Sphäre mit verschiedenen Zonen für Brainstormings, Fokusarbeit oder lebendige Diskussionen – das Ganze trägt den Namen offsite sky und ist auf zwei Etagen verteilt, die durch eine Wendeltreppe vereint sind. Die Fertigstellung war im September 2025.

Im unteren Areal stehen 80 m² Meetingfläche zur Verfügung, innerhalb derer ein vorderer und ein rückwärtiger Bereich mit je eigener Gestaltung unterscheidbar sind. Beide stehen zueinander in einer Raumbeziehung, die einem unbewussten Bedürfnis nach Sicherheit und Orientierung Rechnung trägt. Die verantwortliche Innenarchitektin Birgit Nicolay erklärt dies so: „Menschen fühlen sich besonders wohl, wenn sie eine ‚geschützte‘ Position im Raum einnehmen können, etwa mit einer festen Wand im Rücken, die frei von Fenstern ist, und einem klaren Blick nach vorn – sie sind damit in einer Beobachterposition.“ Entsprechend diesem Credo erzeugt der hintere Raumteil des offsite sky „Geborgenheit“: Die Rückwand ist mittels hervorgehobener Sitzstufen sowie dunklerer Farbgebung und einer niedrigeren Decke annähernd wie eine „Höhle“ akzentuiert. Von dort aus wird die Aufmerksamkeit in den durch klarere Formensprache gekennzeichneten vorderen Raumteil gerichtet und auf das, was dort stattfindet. Eine sanfte Bodenwelle trennt beide Areale subtil, so dass die Übergänge fließend werden.

Am Farbkonzept des erneuerten Raumes wurde lange getüftelt. Angestrebt war eine beruhigende monochrome Farbgestaltung. Nachdem viele Farbmischungen ausprobiert waren, fiel die Entscheidung für den hinteren Raumbereich auf ein gedämpftes Blau mit Grün- und Grauanteilen, das sich über Wände und Decken, den Boden sowie die Stufen und die Wendeltreppe erstreckt.

Im vorderen und seitlichen Raumbereich kam eine besondere Lösung zum Zuge: Auf sämtliche Wandflächen wurde eine spezielle Whiteboard-Farbe aufgetragen, welche die Oberflächen beschreibbar, wieder abwischbar und erneut beschreibbar macht. Alle weißen Raumwände außer den Dachschrägen fungieren somit als Whiteboard-Fläche, so dass Teilnehmer überall eingeladen sind, ihre Ideen spontan aufzuschreiben oder aufzumalen. Auf diese Weise wird der Raum unmittelbar in Kommunikationsprozesse einbezogen, er wird quasi selbst zum Workshop-Tool, in dem kreative Prozesse sichtbar gemacht werden. Dadurch, dass hinter der Whiteboard-Farbe eine Magnettapete angebracht ist, sind die Wände außerdem wie Pinnwände zu nutzen.

Auch sonst folgt die Einrichtung dem Gedanken von Bewegung und Anpassungsfähigkeit. Es herrscht Modularität: Sitzmöbel und Arbeitstische lassen sich flexibel verschieben und kreativ kombinieren. Durch die Trapezform sind die Tische variabel zusammenstellbar, ob zu Kreisen, zu Dreiergruppen oder zu klassischen Aufstellungen wie U-Form, parlamentarisch und Kino. Sie sind in Leichtbauweise erstellt (Beine aus Leichtmetall, Platten aus Pappel-Sperrholz mit Schichtstoff) und sie sind stapelbar, was bei Bedarf schnell wieder eine freie Fläche im Raum schafft. Im Markt gibt es diese Tische nicht zu kaufen – sie wurden von der Innenarchitektin eigens entworfen und in der Schreinerwerkstatt hergestellt. Dazu erlaubt eine breite Palette an Sitzgelegenheiten, beliebig die Positionen zu wechseln. Es gibt Hocker und Stoffwürfel oder die Möglichkeit, auf Stufen wie in einer ansteigenden Arena zu sitzen. Darüber hinaus sind elegante Designklassiker in Gestalt ergonomischer Freischwinger vorhanden – sie sind an den Kufen mit Stuhlgleitern versehen, was sie leicht beweglich macht und den Parkettboden schont.

Im Ganzen bleibt es Teilnehmern überlassen, während der Veranstaltung zu sitzen, zu stehen oder ein „Walking Meeting“ einzulegen, beispielsweise zu den beidseitig angeschlossenen Balkon-Terrassen, um frische Luft als Ideengeber zu nutzen. Wer mag, kann auch völlig die Perspektive wechseln und eine Etage nach oben gehen auf den „sky walk“: Dort sind zwei gemütliche Bereiche mit Polstermöbeln für den zwischenzeitlichen Rückzug reserviert. Verbunden sind beide durch eine Brücke mit Glasgeländer, von wo aus Durchblick auf das sieben Meter tiefer gelegene Geschehen im Hauptraum besteht.

Im Hauptraum bildet noch der Fußboden ein interessantes Thema für sich: Im hinteren Teil ist eine fugenlose Oberfläche aus natürlichen, mineralischen Bestandteilen aufgetragen, die ästhetisch mit einer betonähnlichen Optik anspricht und zugleich robust und pflegeleicht ist. Im vorderen Raumteil ist echtes Eichenparkett verlegt, bei dem der Pflegeaufwand naturgemäß höher ist. „Dafür hat das Parkett eine angenehme Raumwirkung, überhaupt hat der Holzboden bei der räumlichen Ausbalancierung eine hohe Wirkung“, hält Nicole Kobjoll fest.

Zur technischen Nutzung stehen unter anderem zwei LED-Bildschirme (ein kleiner, der Teil eines Technikschranks ist, und ein großer 98-Zoll-Präsentationsscreen) sowie ein komplettes Videokonferenzsystem für hybride Zuschaltungen zur Verfügung. Auf den Stufen sind Laptop-Anschlüsse und Ladestationen zu finden. Nicht zuletzt ist die anspruchsvolle Lichttechnik bemerkenswert: Neben der Grundausleuchtung, die aus blendfreien LED-Lichtschienen besteht, kommen stilvolle Hängeleuchten und Deckenstrahler zum Einsatz, wobei letztere sich mit Gelenkarmen in alle Richtungen bewegen lassen. Und dann wäre da noch die Möglichkeit, einen außergewöhnlichen Szenenwechsel herbeizuführen, indem sich die Dachschrägen farbig illuminieren lassen, was einen stimmungsvollen Effekt ergibt.

Je nach Vorhaben ist der offsite sky für bis zu 30 Personen gut nutzbar, bei einer Kinobestuhlung sind es inklusive Nutzung des Podestes sogar maximal 66 Personen. Obwohl der Raum noch nicht lange in Betrieb ist, lässt sich das Feedback der Kunden schon ermutigend an: „Viele sind sehr begeistert und wollen ihre Firmentagungen bei uns durchführen“, freut sich Nicole Kobjoll. „Die gute Resonanz bestärkt uns deshalb, einen weiteren Raum mit ähnlicher Konzeption einzurichten. Dieser soll „offsite earth“ heißen und insgesamt erdfarbiger erscheinen. Wenn alles gut geht, wird er Ende 2026 fertig.“


Inventar-Steckbrief, "offsite sky":
Gesamtkonzeption und Einrichtung: Nicolay Design /Stuttgart
Technische Konzeption & Technikaufbau: DATAVISION
Bildschirm: Samsung, Display 98 QM98T-B
Kabelloses Präsentationssystem: BARCO, Click Share CX-20
Videokonferenzsystem: Bose, Video Bar VB-S-black
Steuer-Pult für hybride Tagungen: Bernd Beisse Design, CORE.ONE Masterdesk
Freischwinger: Wilkhahn, Programm 21-FS-Linie
Tagungstische, Regale, Technikschrank: Oppel Schreinerei / Lauf
Poufs (Stoffwürfel): NARBUTAS, GIRO
Runde Hocker: WMG Wohnmanufactur Grünberger, Tanja
Whiteboard-Farbe: IdeaPaint
Skulptur Albert Einstein: Ottmar Hörl / Wertheim
Fußbodenbelag: Cotec Colours & Design, Pavimento
Eichenparkett: BOEN, LHD Espressivo „Cafelatte“ Bella
Teppich: Vorwerk, Elara 4301
Stahltreppe: Nautilus Treppen, Sonderanfertigung
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